Der erste Eindruck zählt: Der Halo-Effekt

Maren Kräft - 06. März 2018 - Karriere

Wie sich der Halo-Effekt auf Ihre Karriere auswirken kann und was Sie tun können, damit Sie Ihr Chef richtig einschätzt

Wenn Menschen sich das erste Mal begegnen, zählt der erste Eindruck und wirkt sich nicht selten auf die gesamte weitere Beziehung aus. Innerhalb weniger Sekunden versuchen wir uns ein Gesamtbild von der neuen Bekanntschaft zu machen, um die Person möglichst schnell einschätzen zu können. Dies geschieht in privaten wie in beruflichen Situationen. Doch was kann hierbei nicht alles passieren, wenn man versucht, einen fremden Menschen auf die Schnelle zu beurteilen?

Ein Fehler der beim ersten Eindruck häufig auftritt, ist der sogenannte „Halo-Effekt“. Im Deutschen spricht man auch vom „Überstrahlungseffekt“ („Halo“ = lateinisch für „Hof um Sonne/Mond). Der Beurteilende schließt in diesem Fall unmittelbar von einer herausstechenden Eigenschaft oder Verhaltensweise seines Gegenübers auf weitere Charakterzüge oder Fähigkeiten des Beurteilten. Dadurch kann der Gesamteindruck verfälscht werden.

Können Sie sich noch an das erste Gespräch mit Ihrem Chef erinnern? Es passiert nicht selten, dass Vorgesetze ihren neuen Mitarbeiter aufgrund einer überstrahlenden Eigenschaft zunächst falsch einschätzen und in der Konsequenz zu hohe oder zu niedrige Erwartungen an ihn herantragen. Beides kann zur Frustration beim Mitarbeiter führen. Stellen Sie sich nur einmal folgende Situation vor: Der neue Mitarbeiter Herr Müller präsentiert sich im ersten Gespräch mit seinem Vorgesetzten sehr redegewandt. Er versteht es einfach sich zu „verkaufen“. Der Vorgesetze schlussfolgert, dass Herr Müller zudem äußerst durchsetzungs- und leistungsstark sei. Sicherlich werde er gute Arbeitsergebnisse liefern und halten, was er verspricht, so mutmaßt der Chef.  Des Weiteren wird die neue Mitarbeiterin Frau Meier eingestellt. Sie gibt sich im ersten Gespräch, bei dem es mitunter um die neuen Aufgaben und Verantwortungsbereiche geht, zunächst sehr bescheiden und hält mit ihren bereits erbrachten beruflichen Erfolgen hinter dem Berg. Der Vorgesetzte folgert daraus, dass Frau Meier möglicherweise erst noch an ihrer Durchsetzungsstärke arbeiten und lernen muss, vereinbarte Ergebnisse zum gewünschten Termin zu liefern. Daher gibt er ihr lieber erstmal weniger Verantwortung als anfangs geplant.

Doch im Verlauf der Zeit zeigt sich, dass Herr Müller die hohen Erwartungen des Vorgesetzten nicht erfüllen und die zu Beginn gesteckten Ziel nicht erreichen kann. In der Folge ist der Chef von Herrn Müller enttäuscht und Herr Müller ist frustriert, weil er die vereinbarten Ziele nicht erreicht hat oder sich schlichtweg überfordert fühlt. Hingegeben ist Frau Meier mittlerweile frustriert, weil sie sich unterfordert fühlt und bei ihrem Können gerne mehr Verantwortung übernommen hätte. Zudem hat sie mitbekommen, dass ihr Vorgesetzter Herrn Müller Aufgaben gegeben hatte, die sie gerne bekommen hätte und die sie ihrer Meinung nach besser erfüllt hätte als Herr Müller. So befinden sich alle Beteiligten in einer misslichen Lage, die durch die anfänglichen systematischen Bewertungsfehler des Vorgesetzten entstanden ist.

Um diesen Halo-Effekt zu vermeiden, ist aber nicht nur die Kompetenz der Führungskraft gefragt. Auch Sie als Mitarbeiter können viel dafür tun, damit es gar nicht erst soweit kommt!

Tipps für Mitarbeiter zur Vermeidung des Halo-Effekts beim Vorgesetzten


1. Für Transparenz sorgen

Die Grundregel lautet: Sorgen Sie bereits bei der ersten Begegnung mit Ihrem Vorgesetzten und möglichst in jeder weiteren Gesprächssituation für Transparenz. Gleichen Sie dafür die Erwartungshaltung Ihres Chefs an Ihre Arbeitsleistungen mit Ihren eigenen Erwartungen ab.

2. Authentischen Eindruck vermitteln

Sorgen Sie am besten schon beim Vorstellungsgespräch mit Ihrem potentiellen Arbeitgeber, spätestens aber beim ersten Gespräch mit Ihrem direkten Vorgesetzten, dafür, dass Sie einen authentischen Eindruck von sich selbst vermitteln. Stellen Sie dabei klar heraus, wo Ihre Stärken und Fähigkeiten liegen.

3. Erwartungen abgleichen und nachhaken

Versuchen Sie bei Zielvereinbarungs- oder Beurteilungsgesprächen zu erkennen, wie Ihr Vorgesetzter Sie wahrnimmt, zumindest sollten Sie aber wissen, welche Erwartungen er an Sie stellt. Wenn Ihnen dies in solchen wichtigen Gesprächen unklar ist, sollten Sie nachhaken. Gerade im ersten Gespräch dieser Art bzw. wenn Sie mit Ihrem Chef zu Anstellungsbeginn Ihre Aufgaben und Ziele besprechen, kommt es gut an, wenn Sie von sich aus nachfragen, was er von Ihnen als Mitarbeiter erwartet. Ebenso hilft Ihnen eine gute Gesprächsvorbereitung. Machen Sie sich vorab ausführlich Gedanken darüber, welche Erwartungen Sie an sich stellen und welche Ziele Sie im Job verfolgen. Was trauen Sie sich selbst zu? Wo liegen Ihre Stärken und Schwächen, welche beruflichen Erfolge haben Sie bereits vorzuweisen? Achten Sie dann im Gespräch darauf, dass Sie diese auch zur Geltung bringen.

4. Probleme offen ansprechen und Fehler eingestehen

Falls Sie zwischendurch merken, dass Sie die vereinbarten Ziele womöglich nicht erreichen werden, weisen Sie Ihren Vorgesetzten möglichst frühzeitig von sich aus darauf hin. Wenn Sie merken, dass Ihr Chef unzufrieden mit bestimmten Arbeitsergebnissen von Ihnen ist, sprechen Sie ihn darauf an und bieten Sie einen Lösungsvorschlag an. Vielleicht hilft Ihnen eine Fortbildung, um Ihr Wissen in dem betreffenden Aufgabengebiet aufzufrischen und die Aufgabe besser zu erledigen. Wenn Sie einen Fehler gemacht haben, gehen Sie offen damit um und zeigen Sie Ihrem Vorgesetzten, dass Sie daraus gelernt haben und es nicht wieder vorkommen wird.


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