Mit einem Dream-Team gewinnen

Ernst Holzmann - 16. Oktober 2017 - Erfolgreiche Arbeitswelt

Eine kluge und konsequente Strategie, aufgebaut auf den Stärken der jeweiligen Organisation und der entsprechenden Menschen. Erfolgreiche Teambildung, respektvoller Umgang mit und motivierendes Führen von Menschen, situationsgerechtes Konflikt- und Krisenmanagement. Leidenschaft im Tun, sachliches Bewerten der erzielten Ergebnisse und entsprechendes Reagieren auf Abweichungen. Dies sind die „Bausteine“ für erfolgreiche Teams, egal, ob auf dem Platz oder in der Wirtschaft. Beispiele aus dem Spitzensport bieten perfekten – und kostenlosen – Anschauungsunterricht, wie aus vorhandenen Kompetenzen ein starkes Konzept entwickelt werden kann, wie leidenschaftlich Menschen auf ein Ziel hinarbeiten können und auch, dass am Schluss eine perfekt zusammengestellte und harmonierende Mannschaft immer gegen eine Ansammlung von Einzelspielern gewinnt.

Als Lohn für die entsprechenden Mühen winken dann in beiden Lebenswelten begeisterte und treue Fans (nicht nur bloße „Kunden“), welche die Basis für nachhaltigen Erfolg und wiederkehrende Einnahmen bilden und beste Referenzen sind.

Auch am Beispiel unserer Fußball-Weltmeister ist die Vorgehensweise für die Zusammensetzung und Führung von erfolgreichen Mannschaften einfach nachzuvollziehen, die dafür passende Bezeichnung D.R.E.A.M.-T.E.A.M. kann man dabei wie folgt „übersetzen“:

D = Definition von ehrgeizigen Zielen und einer wirksamen Strategie

Dabei ist es egal, ob man sich vornimmt, Weltmeister, Marktführer oder der bevorzugte Dienstleister zu werden. Ehrgeizige Ziele helfen, den Fokus zu schärfen und den Einsatz der Mannschaft hochzuhalten. Messbare Zwischenziele auf dem Weg zur Spitze definieren, den Weg in kleine, überschaubare Etappen aufteilen. Eine wirkungsvolle Strategie zur Zielerreichung entwickeln und dann noch die passende Taktik (Maßnahmen) für deren Umsetzung festlegen und konsequent verfolgen. Wenn die Ziele und die entsprechende „Roadmap“ dann noch gemeinsam mit dem Team entwickelt und vereinbart werden umso besser!

R = Rollen verteilen oder der richtige Mann am richtigen Platz

Eine klare Zuordnung von Aufgaben und Verantwortungen auf Basis der Stärken der einzelnen „Spieler“ beseitigt Missverständnisse im Team. Jeder kann sich auf seine Position und die volle effiziente Entfaltung individueller Fähigkeiten konzentrieren. Verschwendung von Energie wird vermieden. Die Schnittstellen beim Zusammenspiel müssen definiert sein, keiner darf sich aus der Verantwortung stehlen. Die große Kunst und Herausforderung für Führungskräfte besteht darin, herauszufinden, welche tatsächlichen und besonderen Stärken die einzelnen Teammitglieder haben und ob diese den zugedachten Aufgaben und Verantwortungen entsprechen.

Das Übertragen von neuen anspruchsvollen Arbeiten gehört zum Prinzip „Fördern durch Fordern“, auch im Hinblick auf neu zu besetzende Führungspositionen und das frühzeitige Entdecken und Entwickeln von dafür infrage kommenden Talenten. Dabei ist der Team-Coach mehr als Rat- und Impulsgeber gefragt, statt als „Vorgesetzter“ nach alter Prägung, der Anweisungen erteilt und nur auf deren korrekte Erfüllung achtet.

E = Entschlossenheit und Eingreifen – Ergebnis von Leistung trennen
Genauso wichtig ist es, auf zu erkennende Störungen im Mannschaftsgefüge zu reagieren. Wenn die „Spieler“ (egal, ob in kurzen oder Anzughosen) nicht miteinander können (oder wollen), ist der Projekterfolg massiv gefährdet und die Zusammensetzung des Teams ist zu ändern. Auch kann es trotz harmonischer Teambildung passieren, dass im Eifer des Gefechtes Stress innerhalb der Gruppe auftaucht. Frühzeitiges Konfliktmanagement vermeidet dabei unnötige Eskalationen und das unnötige Auseinanderfallen der Gruppe. Bei den dabei zu führenden Gesprächen ist es oft auch ratsam, neutrale Moderatoren (bei Unternehmen zum Beispiel aus der Personalabteilung) hinzuzuziehen, um sachlich und objektiv die Lage zu beurteilen und den Betriebsfrieden wieder herstellen zu können.

Bei diesem gemeinsamen Weg gehört es auch dazu, Mitarbeiter zu eigenen Lösungen zu animieren, Freiräume für Experimente zu schaffen und auch Fehler zuzulassen. Dies natürlich nur, wenn es die „Spielregeln“ (zum Beispiel gesetzliche, rechtliche Rahmenbedingungen) zulassen und mit dem Test kein nachhaltiger irreparabler Schaden verursacht werden kann.

A = Anreize und Atmosphäre schaffen – Anerkennung geben
Menschen, egal ob auf dem Platz oder im Büro, arbeiten zwar für Geld, aber nicht ausschließlich. „Man muss aus seinem Unternehmen den aufregendsten Ort der Welt machen“, das war die Maxime von Jack Welch, dem legendären Ex-CEO von General Electric. Oder wie Philipp Lahm seine Motivation beschrieb, als er den WM-Pokal in der Hand hielt: „Ich wollte nicht schon wieder von unten zugucken, sondern das Ding endlich einmal selber hochhalten.“ Diese Sehnsucht nach etwas Außergewöhnlichem, Teil eines ganz Großen zu sein, Beachtung zu finden, gemeinsam mit Kollegen etwas Besonderes zu erreichen, treibt Menschen oft mehr an als nur ein ganz normaler Arbeitsplatz mit sicheren, aber langweiligen Rahmenbedingungen. Eine sinnvolle Aufgabe finden, seine Talente dabei entfalten können, Verantwortung tragen und für die erbrachte Leistung vielleicht noch ein ehrliches Lob erhalten.

M = Mischung
Erfahrung und jugendliche Unbekümmertheit, Experten und Querdenker, introvertierte und emotionale Typen, weibliche und männliche „Spieler“, auch aus unterschiedlichen Kulturkreisen und Regionen. So macht die Arbeit im und mit dem Team Spaß. Es kommt keine Langeweile auf, gute Ideen fallen nicht unter den Tisch und man kann voneinander lernen. Für Unternehmen bedeutet dies ganz besonders, dass die Suche nach Talenten, die auch empathische Führung und Freiräume erwarten, immer wichtiger wird, dass cross-funktionale Teams meistens bessere Ergebnisse abliefern als eine reine „Experten-Mannschaft“ und dass die „Alten“ mehr denn je unverzichtbar werden.

T = Teamgeist entwickeln und pflegen

Jeder ist gleich wichtig, es darf keine „Lieblings- und Ersatzspieler“ geben. Bei der Führung von Teams, bei denen auch unterschiedliche Charaktere unterschiedliche Spezialaufgaben wahrnehmen, ist das Führen dieser Spezialisten mit entsprechendem Fingerspitzengefühl unerlässlich. Weniger das „althergebrachte“ Kommandieren – Kontrollieren und Korrigieren ist gefragt und akzeptiert, sondern mehr Koordinieren – Kooperieren – Kommunizieren. Wenn nicht explizit fachliche oder rechtliche Vorgaben dagegensprechen, erwarten Experten und Leistungsträger auch entsprechende Freiräume bei der Umsetzung der an sie gestellten Anforderungen.

E = Einsatz zeigen und verlangen
„Wer selber nicht brennt, kann in anderen kein Feuer erzeugen!“ Getreu dieser Lebensweisheit von Augustinus ist Führung mehr als das Setzen und Kontrollieren von Kennzahlen oder das Überwachen von Prozessen und Regeln. Morgens der Erste, abends der Letzte ist hier der Anspruch an die Verantwortlichen. Vorleben statt nur „vorbeten“, nicht von anderen verlangen, was man selbst nicht bereit ist zu tun. Nur so schafft man Vertrauen und bringt das Team hinter sich. Selbstdarsteller, die sich bei Erfolgen in den Vordergrund drängen und bei Misserfolgen die Schuld beim Team suchen, sind deswegen als Führungspersönlichkeiten unerwünscht und werden nicht akzeptiert – ob „an der Seitenlinie“ oder als Manager im Unternehmen. Sich nicht unterkriegen lassen, leidenschaftlich für seine Ziele kämpfen, getroffene Zusagen einhalten, notwendige Ressourcen zum Erreichen der vereinbarten Ziele besorgen und bereitstellen, sich immer bewusst sein, dass man Führung nicht geschenkt bekommen hat, sondern nur geliehen. Das sind Eigenschaften und Verhaltensweisen für akzeptierte „Mannschaftskapitäne“, für die sich dann auch ihre „Spieler“ entsprechend einsetzen.

A = Achtung des Einzelnen – Anerkennung

Bei Misserfolgen keine Sündenböcke suchen und schon gar nicht Einzelne öffentlich diskreditieren. Ein respektvoller Umgang und Achtung des Einzelnen bedeutet nach meinen Erfahrungen nicht „in Watte packen“ oder „weggucken“. Bei Fehlverhalten und/oder mangelnder Leistung bedarf es klarer Worte, aber hier ist das „Wie“ entscheidend. Emotionen sind fehl am Platz, klare Argumentation, das Aufzeigen von getroffenen Vereinbarungen und Verabredungen und das Anbieten von Unterstützung stehen im Mittelpunkt. Eine konstruktive Diskussion von Soll und Ist sowie eine erneute Vereinbarungen zur weiteren Vorgehensweise bilden die Basis für die weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit. Persönliche Angriffe würden diese dagegen massiv beeinträchtigen.

M = Motivation hochhalten – Mut beweisen

Natürlich gehört entsprechendes Aufmuntern der Mannschaft auch zur Aufgabe einer Führungskraft, gerade wenn es mal nicht gut läuft. Damit sind weniger das „Tanzen an der Außenlinie“ oder flammende Appelle gemeint, die zwar gut gemeint, aber oft ohne nachhaltige Wirkung sind. Damit Menschen in ihrer normalen Arbeitswelt die volle Leistungsfähigkeit entfalten können, sind eher kleine, aber speziell auf die jeweilige Situation abgestimmte Maßnahmen gefragt. Eine klare Aufgabenbeschreibung, Definition der Zuständigkeiten und Verantwortung gehören genauso dazu wie das Bereitstellen von notwendigen funktionalen Arbeitsmitteln und -räumen oder das Anpassen von Arbeitszeiten auf die individuellen Bedürfnisse der Beteiligten. Eine faire angemessene Bezahlung sollte selbstverständlich sein, auch unter der Berücksichtigung, dass Qualität nun einmal kostet.


Über den Autor:
Ernst Holzmann ist als Redner über Führung und Strategie, Dozent an Hochschulen (Sportmanagement, Marketing & Kommunikation, Medien & Gesellschaft) und als Begleiter von Bildungsinitiativen für junge Menschen unterwegs. Davor war er über dreißig Jahre bei verschiedenen Unternehmen in führenden Positionen tätig und engagierte sich in seiner Freizeit auch mit großer Leidenschaft als Trainer im Fußball und Vorstand in Vereinen.

Herr Holzmann steht Ihnen bei Fragen gerne persönlich zur Verfügung unter: Email: holzmanne@aol.com. Weitere Informationen finden Sie unter: www.ernstholzmann.com.


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