Die elf Meter zum Erfolg

Ernst Holzmann - 21. Juni 2017 - Erfolgreiche Arbeitswelt

Wir müssen gewinnen, alles andere ist primär!

So wie Ex-Fußballprofi Hans Krankl könnte man die „Elf Meter“ auf dem Weg zum Erfolg auch zusammenfassen. Vielleicht helfen Ihnen aber auch meine gemachten Erfahrungen „auf dem Platz“ und im Büro. Garniert mit den passenden „Weisheiten“ von ganz besonderen „Fußball-Philosophen“.


1) „Ich bin besonders selbstkritisch, auch mir selbst gegenüber.“ (Andy Möller)

Machen Sie es wie Andy Möller, finden Sie Ihre Stärken heraus, was Ihnen liegt und was Sie besonders gut können. Manch einer (eine) arbeitet sein Leben lang, als „Verteidiger“, obwohl er der ideale Stürmer wäre und umgekehrt. Lassen Sie sich dabei auch von einer Person Ihres Vertrauens (Familienangehörige, guter Freund/beste Freundin beraten) und versuchen Sie, eine Aufgabe zu finden, die Ihren Fähigkeiten entspricht. Weil überall „spielen“ kann keiner, außer vielleicht Manuel Neuer.


2) „Wir sind eine richtig gut intrigierte Truppe.“ (Lothar Matthäus)

Teamarbeit ist wichtig, aber nicht immer einfach. Alle drängen nach den angenehmen und interessanten Aufgaben, wenige wollen den Kaffee kochen oder das Protokoll führen. Stellen Sie Ihr Licht nicht unter den Scheffel, seien Sie aber nicht „die Zicke vom Dienst“ (weiblich oder männlich) und gehen Sie nicht auf den Ego-Trip. Leisten Sie lieber Unterstützung wo nötig und tragen Sie Ihren Anteil zum entsprechenden Teamerfolg bei.


3) „Man musste sich auf mein Wort verlassen können.“ (Ottmar Hitzfeld)

Sich gegenseitig vertrauen können, das ist die wichtigste Grundlage für stabile  und glückliche Beziehungen und gemeinsamen Erfolg. Nicht nur im Privatleben oder in einer Mannschaft, sondern ganz besonders im Beruf. Vertrauen entsteht aber nicht einfach so, sondern steht am Ende eines langen, oft schwierigen Prozesses. Jemandem etwas zutrauen (auch Risiken auf sich nehmen) und Verlässlichkeit im Tun gehören genauso dazu, wie Berechenbarkeit und auch das Akzeptieren von anderen Wegen zum vereinbarten Ziel. Und wenn Vertrauen öfters missbraucht wird, dann muss man sich nicht wundern, dass die Beziehung in die Brüche geht und dass ein „Spieler“ irgendwann das Wechselfieber packt.


4) „Ein Drittel mehr Geld? Nee, ich will mindestens ein Viertel!“ (Horst Szymaniak)

Natürlich ist ein vernünftiges, faires, angemessenes Einkommen auch Teil des Jobs, aber hier macht Geld alleine auch nicht glücklich. Deswegen ist es eigentlich egal, ob Sie bei der nächsten Gehaltsverhandlung (wie bei der Forderung von Horst Szymaniak, dem ersten deutschen Fußballprofi in Italien) „ein Drittel oder ein Viertel“ mehr bekommen. Mindestens genauso wichtig sind doch ein angenehmes Betriebsklima und eine Aufgabe, in der man seine Fähigkeiten voll entfalten kann. Und wenn Sie jeden Morgen schon mit „Magenschmerzen“ zur Arbeit gehen und am Montag schon an Freitag denken, dann wird diese Situation auch mit mehr Geld nicht erträglicher.


5) „Der arbeitet von morgens bis abends. Sowas nennt man im Volksmund glaube ich Alcoholic.“ (Rudi Völler)

Das waren Rudi Völlers Erfahrungen mit Reiner Calmund bei Bayer 04 Leverkusen. Erfolg besteht nun mal aus 90 Prozent Transpiration und nur aus 10 Prozent Inspiration und dies nicht nur „auf dem Platz“. Wer nur einen „nine to five“ Job machen möchte, landet nie in der 1. Liga und bekommt wenig Chancen für einen Karrieresprung. Trotzdem sollte man natürlich sehr sorgsam mit seinen eigenen Ressourcen umgehen, ständig „Vollgas“ (auch am Wochenende) ist nicht nur für Sportler schädlich, sondern auch für normale „Schreibtischtäter“. Und vielleicht kommt der Versprecher von Rudi Völler nicht von ungefähr, denn nicht nur Manager bekämpfen zu viel Stress mit zu viel falschen „Beruhigungsmitteln“.


6) „Ich bin körperlich und physisch topfit.“ (Thomas Häßler)

Ja, Thomas „Icke“ Häßler: Fitness hilft immer. Und doppelt genäht, hält sowieso besser! Sie kennen ja auch das mit „dem gesunden Körper und dem gesunden Geist“. Wer gesund und fit ist, hat gute Laune, die Arbeit geht schneller von der Hand, man fühlt sich nicht nur besser, sondern sieht auch dementsprechend aus. Wer sich bewegt, setzt Endorphine frei, baut Stresshormone ab, bekommt den Kopf frei und schafft auch damit Distanz zu den Problemen des Alltags.


7) „Mailand oder Madrid – egal, Hauptsache Italien (schon wieder Andy Möller)

Die Welt wächst immer stärker zusammen, das Kennenlernen von anderen Mentalitäten, Sprachen und Geschäftsmodellen wird immer wichtiger. Wagen Sie deswegen den Schritt in andere Regionen, egal ob nach Italien, Spanien, China oder in die USA. Sie machen neue Erfahrungen, gewinnen neue Eindrücke und Ideen und verstehen vor allem die Erwartungen und Verhaltensweisen von Menschen aus anderen Kulturkreisen viel besser.


8) „25 Jahre alt und schon keine Ziele mehr.“ (Mehmet Scholl)

Da geht es Ihnen hoffentlich besser als Mehmet Scholl nach dem gewonnenen EM-Finale 1996. Ehrgeizige Ziele motivieren, schärfen den Fokus und bringen einen weiter. Suchen und stellen Sie sich neuen Herausforderungen. Nicht nur weil ständige Langeweile wegen Unterforderung genauso krank („Bore-out“) machen kann wie anhaltender Stress („Burn- out“) wegen Überforderung. Wem etwas gelingt, was er bisher nicht geschafft hat, empfindet Freude, gewinnt neue Erfahrungen, erhält Selbstbestätigung und motiviert sich selber. „Kleben“ Sie deswegen nicht zu lange am gewohnten Stuhl, halten Sie die Augen nach neuen Chancen offen, und begegnen Sie neuen Möglichkeiten selbstbewusst und mutig.


9) „Wir dürfen jetzt bloß den Sand nicht in den Kopf stecken!“ (Lothar Matthäus)

Nein, Lothar Matthäus, das kommt auf keinen Fall in Frage! Fehler machen wir doch alle, entscheidend ist, wie man mit diesen umgeht. Dazu gehört auch, die Ursachen dafür zu erkennen, aus ihnen zu lernen und auch konstruktive Kritik anzunehmen.

Wenn mal alles schiefgehen sollte, einfach auch an den legendären Satz („Immer weiter, immer weiter!“)  von Oliver Kahn denken. Aufgeben ist keine Option und „Meister sind noch nirgendwo vom Himmel gefallen“. Bei einer anhaltenden Pechsträhne sich lieber wie Per Mertesacker „drei Tage in die Eistonne legen“ und in Ruhe die eigene Situation zu analysieren. Stimmen die ursprünglichen Ziele noch, sind Sie auf dem Weg dahin von diesem abgekommen, was können Sie tun, was müssen Sie ändern? Sich vielleicht auch mal mit guten Freunden darüber austauschen und die Lage aus deren Blickwinkel beurteilen lassen.


10) „Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken mit Ende.“ (Pierre Littbarski)

Apropos „Wechselfieber“: Manchmal geht es einfach nicht mehr weiter und wenn man nichts ändert, dann ändert sich nichts. Oft stellt sich im Leben die Frage, wie man mit verfahrenen Situationen umgehen soll. Kann man sich mit den entsprechenden Verhältnissen arrangieren und ist man bereit, einen entsprechenden „Preis“ für den erhaltenen Nutzen zu bezahlen? Oder reichen die Kraft (und der Mut), störende Dinge anzusprechen mit der Hoffnung auf Änderung?

Manchmal werden beide Fragen mit „Nein“ beantwortet und es geht einfach nicht mehr weiter. Dann helfen nur die Konsequenz (auch um sich selbst z. B. vor gesundheitlichen Problemen zu schützen) und das Suchen von neuen Möglichkeiten. In diesem Fall sind Emotionen aber der schlechteste Ratgeber. Hier heißt es, sich professionell zu verhalten und zu verabschieden. Auch weil man sich im Leben ja mindestens immer zweimal sieht und eine gute Referenz immer hilfreich ist.


11) „Zuerst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu!“ (Jürgen Wegmann, legendärer Stürmer aus dem „Pott“)

Das mit dem Glück im Leben ist so eine Sache. Manche sagen, dass man es „zwingen kann oder muss“, andere meinen, dass Gesundheit das größte Glück sei und viele wären schon mit einem „Dach über dem Kopf“ oder einem Teller heißer Suppe glücklich. Schon diese unterschiedlichen Wünsche zeigen, dass das Empfinden von Glück sehr individuell und auch von der jeweiligen Situation abhängt. Unbestritten ist aber, dass stabile, funktionierende Beziehungen (mit Freunden, dem Partner, der Familie Zeit verbringen) ein wichtiger Bestandteil des Glückes sind. Auch unter der Überschrift, dass „Geben seliger ist wie nehmen“ machen Sie mit Anerkennung, Hilfsbereitschaft oder kleinen Aufmerksamkeiten nicht nur andere glücklich, sondern auch sich selbst.

Man könnte jetzt noch lange über die „Elf Meter“ für den Erfolg philosophieren, einer der „Größten“ (Pele) hat dies treffend zusammengefasst: „Erfolg ist kein Zufall. Er kommt  zu uns durch harte Arbeit, Ausdauer, Lernen, Aufopferung und vor allem Liebe zu dem, was wir tun oder lehren!“ Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Und wenn Sie tatsächlich einmal einen Elfmeter schießen dürfen (oder müssen!), hilft Ihnen vielleicht auch die Erfahrung von Paul Breitner: „Da kam dann das Elfmeterschießen. Wir hatten alle die Hosen voll, aber bei mir lief es ganz flüssig.“


Über den Autor:
Ernst Holzmann ist als Redner über Führung und Strategie, Dozent an Hochschulen (Sportmanagement, Marketing & Kommunikation, Medien & Gesellschaft) und als Begleiter von Bildungsinitiativen für junge Menschen unterwegs. Davor war er über dreißig Jahre bei verschiedenen Unternehmen in führenden Positionen tätig und engagierte sich in seiner Freizeit auch mit großer Leidenschaft als Trainer im Fußball und Vorstand in Vereinen.

Herr Holzmann steht Ihnen bei Fragen gerne persönlich zur Verfügung unter: Email: holzmanne@aol.com. Weitere Informationen finden Sie unter: www.ernstholzmann.com


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