Tax Compliance – das aktuelle „Zauberwort“

Winfried Alves - 07. Juni 2017 - Accounting

Momentan erscheint es so, als ob es im gesamten „Wirtschaftsuniversum“ nur noch einen Begriff geben würde: Compliance! Aber was ist eigentlich Compliance? Üblicherweise wird der Begriff mit „Gesetzestreue“ oder „Regeltreue“ übersetzt. Alternativ  kann man es auch so formulieren: „Es ist das Bemühen, alles richtig zu machen.“

Geht es um den Begriff Tax Compliance, so bemühen sich (fast) alle Steuerpflichtigen mal mehr, mal weniger, ihren steuerlichen Pflichten ordnungsgemäß nachzukommen. Für manchen ist der Hinweis auf Tax Compliance bereits eine böswillige Unterstellung eines unrechtmäßigen Verhaltens. Darum geht es aber nicht, denn nur äußerst selten stellt sich die Frage eines steuerlichen Fehlverhaltens. Im Vordergrund steht die Überlegung, wie ein „korrektes“ Verhalten sichergestellt (= kontrolliert) und nachgewiesen (= dokumentiert) wird. 

Um aber etwas kontrollieren zu können, muss man erst einmal wissen, wie ein entsprechendes Verhalten aussieht, d. h., welche steuerlichen Pflichten zu erfüllen sind. Häufig wird in diesem Zusammenhang fast schon gebetsmühlenhaft darauf verwiesen, dass man dafür Spezialisten habe – ob extern oder intern.

Dies ändert aber nichts daran, dass gegenüber der Finanzverwaltung der Steuerpflichtige, sei es für sich selbst oder als gesetzlicher Vertreter, die steuerlichen Pflichten zu erfüllen und dafür zu haften hat. Ausschließlich die Steuerformulare an den mit einem Post-it gekennzeichneten Stellen zu unterschreiben und im Übrigen davon auszugehen, dass man damit alle Pflichten erfüllt habe, ist ein erstaunlicherweise häufig anzutreffender Irrglaube.

Selbst wenn der steuerliche Berater auch die Buchhaltung übernimmt, bleibt immer noch die Frage, wie sichergestellt wird, dass alle relevanten Informationen vorliegen. Unsere digitale Welt sorgt dafür, dass diese scheinbar selbstverständliche Feststellung bereits problembehaftet sein kann. Daher die Frage, welche E-Mail gehört noch zu den relevanten Informationen? 

Die identische Frage, nur mit einer anderen Betonung, stellt sich, wenn Rechnungswesen und Steuern direkt im Unternehmen bearbeitet werden: Kennt die Steuerabteilung alle steuerlich relevanten Prozesse im Unternehmen? Wann wird sie informiert? Bekanntermaßen ist eine der „einfacheren“ Pflichten die Einhaltung von Fristen.

Dies sind nur zwei kleine Beispiele, was Tax Compliance in der Praxis bedeutet. Sie ist zu allererst ein internes Kontrollsystem, das darauf ausgerichtet ist, möglichen Risiken einer Nichterfüllung von steuerlichen Pflichten vorzubeugen. Um einen Ministerialrat im bayerischen Finanzministerium zu zitieren: „Ein steuerliches Kontrollsystem ist wie ein Sicherheitsgurt – es verhindert zwar nicht einen möglichen Unfall, kann aber die Schäden reduzieren.“


Über den Autor:
Winfried Alves ist seit 1993 zugelassener Rechtsanwalt (Schwerpunkt Wirtschaftsrecht), seit 2000 als Berater und Trainer in den Bereichen Internationale Rechnungslegung (IFRS/US-GAAP), IKS und Interne Revision tätig. Er ist Fachbuchautor und langjähriger Dozent u. a. für die Steuer-Fachschule Dr. Endriss.

Herr Alves steht Ihnen für Fragen gerne persönlich zur Verfügung unter: Tel.: 069 25782698, Email: alves@alvesconsult.de, Alves Consult, Niddastraße 103, 60329 Frankfurt am Main, www.alvesconsult.de


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