Vorteile und Risiken des Interim Managements

Auch im Blickpunkt von Politik und Gewerkschaften steht das Thema Scheinselbstständigkeit nicht erst seit gestern. Sie haben „Scheinwerk- bzw. -dienstverträgen“ buchstäblich den Kampf angesagt. So mahnten ver.di und die IG Metall im März auf einem Symposium des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales an, dass bereits jetzt durch Scheinwerkverträge die stark reglementierte und durch die Branchenzuschlagsverträge verteuerte Zeitarbeit in großem Umfang umgangen werde. 
Praxisbeispiele zeigen, dass das Thema Scheinselbstständigkeit aktuell ist. Laut Medienberichten setzte bspw. die Deutsche Telekom Selbstständige für verschiedene IT-Projekte ein, bei denen es sich aufgrund der Art der Tätigkeit um Scheinselbstständigkeit gehandelt haben soll. Als Folge drohen dem Konzern Nachzahlungen bei Sozialabgaben sowie Steuern und ein Bußgeld. Aus diesen und weiteren Gründen ist es umso wichtiger, dass Unternehmen sich mit der Thematik befassen.

 

Ein wesentlicher Vorteil des Einsatzes von Interim Management – im Gegensatz zur Festeinstellung von Arbeitnehmern oder der Arbeitnehmerüberlassung – ist die kurzfristige Verfügbarkeit von Führungskräften und Projektspezialisten, um personelle Engpässe zeitnah zu überbrücken bzw. kurzfristig auftretende fachliche Probleme und anstehende Projekte umsetzungsstark in Angriff nehmen zu können. Sie eignen sich dafür besonders, denn Interim Manager sind regelmäßig umsetzungsorientierte Praktiker, die sich nach Jahren in Management- und Führungsfunktionen ganz bewusst dazu entschlossen haben, ihr Wissen für mehrere und immer neue Kunden in verschiedenen Projekten einzusetzen (Düwell/Dahl, FA 2009, S. 258). Sie verfügen meist über ausgeprägte Erfahrungen und Spezialwissen für die Bewältigung nicht alltäglicher Probleme (Buschbaum/Klösel, NJW 2012, S. 1482).

 

WICHTIG

Einsatzunternehmen, die selbstständige Dienstleister direkt über Werk- bzw. Dienstverträge beauftragen bzw. solche Verträge mit Personaldienstleistungsunternehmen (Providern) hinsichtlich des Einsatzes von Interim Managern schließen, muss bewusst sein, dass hierbei direkte bzw. indirekte Risiken von nicht unerheblichem Ausmaß auf sie zukommen kommen können. Dies gilt umso mehr, wenn mit diesen Dienst- bzw. Werkverträgen Arbeitnehmerüberlassungen verdeckt werden.

 

Eine solche Scheinselbstständigkeit liegt vor, wenn eine erwerbstätige Person als selbstständiger Unternehmer auftritt, obwohl sie von der Art ihrer Tätigkeit her zu den abhängig Beschäftigten zählt. Es wird also ein Arbeitsverhältnis verschleiert und als Tätigkeit eines freien, selbstständigen Auftragnehmers deklariert. Die Vertragsgestaltungen müssen daher rechtlich ebenso korrekt sein wie die tatsächliche Ausführung der Tätigkeiten bzw. die Behandlung vor Ort. Der Einsatz von Interim Managern ist somit strikt von der Arbeitnehmerüberlassung zu trennen, da sie weit weniger respektive völlig andere Risiken für die Entleihunternehmen bergen.